Partymaus oder Langschläfer: Facebook kennt deine Schlafgewohnheiten. Das klingt gruselig – ist es auch. Aber für das Unternehmen ist es extrem einfach euren Schlafrhythmus herauszufinden.

Facebook muss nämlich nur die Aktivitätsmerkmale der User scannen und schon wissen sie, wann ihnen abends die Augen zufallen. Die Logik dahinter: Viele Nutzer gehen kurz vor dem Schlafengehen noch einmal online und checken Nachrichten und News. Morgens, wenn sie wieder wach werden, dasselbe. Wenn dazwischen 8 Stunden Ruhe herrscht, ist ziemlich wahrscheinlich, dass der kleine Facebook-Nutzer friedlich geschlummert hat.

Schlafüberwachung für alle

Ein dänischer Programmierer hat diese Logik auch verstanden und sich damit einen kleinen Spaß erlaubt. Er hat ein Tool entwickelt, dass die Aktivitätsdaten seiner Freunde auswertet und so eine Übersicht über ihren Schlaf liefert. Er wollte mit dem Experiment jedem vor Augen führen, welche intimen Informationen man – quasi beiläufig – an das soziale Netzwerk liefert. Soren Louv-Jansen heißt der gute Mann, der sich den Facebook-Messenger zunutze gemacht, um die Schlafgewohnheiten seiner Freunde zu tracken. Übersichtliche Tabellen zeigten das Ergebnis: Lisa schläft durchschnittlich 7,2 Stunden; Moritz bleibt Sonntags gerne mal länger liegen und Hanna war am Freitag bis 5:41 Uhr morgens feiern! Respekt!

Analyse Schlaf Facebook-User
So sieht das Ergebnis des Tools aus: Dieser Facebook-Nutzer steht meistens gegen halb 7 Uhr morgens auf. Ob er dann am liebsten Werbung für Kaffee sieht?

Im Bett mit Mark Zuckerberg

Wirklich genau ist dieses Schlaf-Profil natürlich nicht, schließlich nutzte der Programmierer nur die „Zuletzt online“-Funktion für seine Auswertung. Aber darum ging es dem Dänen auch gar nicht. Viel mehr wollte er deutlich machen, dass Facebook wahnsinnig leicht solche Analysen vornehmen kann, ohne dass wir davon etwas mitbekommen. Und diese digitalen Abdrücke können für Werbung weiterverarbeitet werden – Keine neue Erkenntnis, aber führt uns einmal mehr vor Augen wie gläsern wir für das Unternehmen sind.

Freunde tracken –  erlaubt Facebook nicht!

Den Quellcode für das Tools stellte der Programmier online zur Verfügung. Jeder hatte Zugriff darauf und konnte sich sie Schlafgewohnheiten seiner Freunde ansehen. Facebook hat dem Programmierer daraufhin eine Nachricht geschrieben und ihn dazu aufgefordert, das Tool offline zu nehmen. Es verstoße gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook. Das hat Soren – Gutmensch der er doch ist – auch getan. Natürlich ist sein Tool, wenn auch gut gemeint, nicht moralisch besser oder schlechter als Überwachungssoftware von einem Unternehmen. Aber dennoch ist ihm mit der Aktion eines gelungen: nämlich ein mülmiges Gefühl beim nächsten Griff zum Smartphone.

Bildquelle: Titelbild: Johan Larsson über CC BY2.0, Beitragsbild und Quelle: Soren Louv-Jansen

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.