Eine Schnarcherin über das weibliche Grunzen, Rasseln, Pusten, Schnauben und Röcheln.

Es gibt das Klischee vom engelsgleichen Fräulein, dass mucksmäuschenstill in den Laken liegt und geräuschlos schlummert. Aber das ist nicht richtig: Etwa ein Viertel aller jungen Frauen schnarcht. Ab einem Alter von über 60 Jahren ist es sogar fast jede zweite Frau. Ein Tabuthema, das häufig hinter verschlossenen Schlafzimmern bleibt. Lea (31 Jahre) möchte das ändern und beantwortet deshalb offen und ehrlich meine Schnarch-Fragen.

Lea schnarcht. Laut. Sehr laut sogar. Auf der Suche nach Hilfe schrieb sie mir auf diesem Blog und gemeinsam beschlossen wir ihre Geschichte zu erzählen:

Liebe Lea, wann hast du festgestellt, dass du schnarchst?

Mein Freund hat mich vor rund 3 Jahren darauf aufmerksam gemacht. Ich wusste zwar davor schon, dass ich schnarche, aber dass ich so laut bin, habe ich nicht geahnt. Er hat mich im Schlaf mit dem Handy aufgenommen und mir am nächsten Tag vorgespielt – ein Schockerlebnis. Ich klinge wie ein Bulldozer!

Was hat sich verändert, seitdem du es weißt?

Zunächst habe ich versucht Situationen zu meiden, in denen es auffallen könnte. Ich übernachtete nicht mehr bei Freunden, nahm mir immer ein Hotelzimmer alleine oder hatte auf Festivals ein eigenes Zelt. Inzwischen bin ich aber entspannter und gehe das Thema mit viel Humor an. Letztes Silvester habe ich mit Freunden auf einer Berghütte verbracht. Da wir dort alle in einem Raum schlafen mussten, habe ich eine große Packung Ohrstöpsel mitgebracht und an alle verteilt. Dieser offene Weg damit umzugehen ist für mich deutlich besser, als meine Rückzugsstrategie am Anfang.

Was wiegt schwerer: Die eigene Scham oder die Möglichkeit andere nachts zu stören?

Natürlich beides! Aber die Angst, dass andere mich hören könnten, überwiegt bei mir eindeutig. Und bestimmt geht es nicht nur mir so, deshalb spreche ich heute darüber. Schnarchende Frauen sind ein Tabuthema, das soll sich ändern.

Was kann man tun, um zu helfen?

Gegen das Schnarchen an sich hilft leider nichts. Ich habe schon alles ausprobiert: Beißschiene, Nasenpflaster, Anti-Schnarch-Apps. Und genau das macht das Thema so frustrierend. Umso wichtiger, dass man das Kind beim Namen nennt und sich wenigstens gegenseitig unterstützt. Ich fände es toll, wenn auf diesem Blog eine Diskussion stattfinden würde und ich werde mögliche Fragen und Kommentare gerne beantworten.

Wie reagiert dein Freund auf dein Schnarchen?

Ich habe das große Glück, dass er davon nicht gestört wird, obwohl es wirklich sehr laut ist. Sonst könnten wir wohl nicht in einem Raum schlafen. In der Vergangenheit ist auch dies schon vorgekommen: Eine gute Freundin nahm sich bei einem gemeinsamen Urlaub irgendwann ein eigenes Hotelzimmer. Sie wurde von meinem Schnarchen immer wieder wach und dann haben wir Konsequenzen gezogen. Bei einem kurzen Urlaub ist das für mich auch kein Problem. In meiner Beziehung wäre es ein großer Verlust für mich.

Hast du schon als Kind geschnarcht?

Ja. Ich hatte sogar eine Operation, bei der mir die Polypen leicht abgetragen wurden. Dadurch wurde das Schnarchen besser, hörte aber nicht auf. Bei meiner Mama ist es ähnlich: Auch sie schnarchte bereits als Kind und tut es heute, als erwachsene Frau, immer noch. Gut möglich, dass meine Kinder irgendwann auch schnarchen werden. Ein eher enger Rachen liegt bei uns in der Familie.

Glaubst du, dass dich dein Schnarchen auch so belasten würde, wenn du ein Mann wärst?

Ja und nein: Ich denke, dass Männer, die schnarchen – genau wie Frauen – einen unruhigeren Schlaf haben. Und unter diesem leiden sie genauso. Allerdings ist das Schnarchen von Männern kein Tabuthema. Das macht es einfacher darüber zu reden und nach Hilfe zu fragen.

Was möchtest du anderen Frauen, die schnarchen, mit auf den Weg geben?

Einen Anti-Schnarchtipp habe ich zwar keinen, aber eine Hoffnung: Und zwar, dass wir gemeinsam gegen ein Tabu ankämpfen. Wenn wir offen darüber reden, dann verliert das Schreckgespenst „Schnarchen“ vielleicht seinen Schrecken – das wäre ein Anfang.

Du suchst Austausch zum Thema? Dann schreib‘ in die Kommentare. Lea hat sich bereit erklärt, alle Fragen zum Thema zu beantworten und freut sich auf Tipps und Erfahrungen von euch. Gemeinsam gegen ein Tabu!

Titelbild: Kalegin Michail unter Unsplash

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