Einfach vom Boden abheben und fliegen. Das wäre ein Traum, oder? Ja, ein Traum, der jede Nacht wahr werden kann – mit luziden Träumen. Was das ist, erklärt Klartraum-Profi Simon Rausch im Interview.

Jedes mal, wenn wir uns schlafen legen, dann träumen wir. Vielleicht hatten wir letzte Nacht wilden Sex oder haben mit Albert Einstein geplaudert. Dumm nur, dass wir am nächsten Tag nichts mehr davon wissen. Anders ist das bei Klarträumern, sogenannte Oneironauten. Diese Menschen können die Regie im Traum selbst übernehmen und nachts die Abenteuer erleben, die sie wollen – ein bisschen „Inception“ für Zuhause. Simon Rausch ist Klarträumer und Gründer der „School of Oneironautics“. Im Interview erzählt er, dass er im Traum am liebsten unbekannte Welten erkundet und gerne in fremden Schubladen stöbert (aber er hat versprochen, dass er das wirklich nur im Klartraum macht). Na dann los, Zeit für ein wenig Kopfkino…

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Hallo Simon. Na, gut geschlafen?

Oh ja, ich habe gut geschlafen, auch wenn die Nacht nur kurz war. 6 Stunden Schlaf ist einfach zu wenig für mich.

Und kannst du dich erinnern, was du heute Nacht geträumt hast?

Leider nein. Ich weiß zwar noch, dass ich mich heute morgen über 3 komische Träume gewundert habe, aber jetzt sind sie komplett weg. Das kommt davon, wenn man kein Traumtagebuch mehr führt. Ich habe es aus Zeitgründen aufgegeben, da ich gegen Ende fast 2 Stunden pro Tag, oder eher Nacht, dafür gebraucht habe.

Was ist denn bitte ein Traumtagebuch?

Ein Buch oder Heft, in dem man jeden Traum aufschreibt. Egal ob einzelne „Traumfetzen“ oder ganze Abenteuer – man notiert alles, an das man sich erinnert und zensiert nichts. Traumtagebücher sind wichtig, um die Traumerinnerung zu üben – eine Grundvoraussetzung für’s Klarträumen.

Kannst du luzides Träumen mal ganz einfach erklären?

Klaro! Ein luzider Traum, meistens Klartraum genannt, ist ein Traum mit 3 Merkmalen: Man weiß, dass man träumt. Man hat die volle Kontrolle über den Traum. Und der Traum fühlt sich völlig real an. So unterscheidet sich ein Klartraum von einem normalen Traum. Bei luziden Träumen hat man unendliche Möglichkeiten und Freiheiten, die im Wachzustand nicht gibt: man kann fliegen, Personen treffen, Orte erschaffen. Einfach alles, was man will.

Wann hattet du deinen ersten Klartraum?

Das war am 10.1.2011 – das Datum kann ich im Schlaf auswendig. Ich habe davor bewusst Techniken trainiert und hatte nach genau 2 Wochen meinen ersten Klartraum. Der erste luzide Traum ist fantastisch, wenn man das Glück hat, dass er lange dauert. Bei mir waren es ein paar Minuten und ich konnte es einfach nicht glauben: Alles fühlte sich so real an. Ich wurde in meinem Schlafzimmer klar und bin erstmal ein wenig in der Luft umher „geschwommen“. Ich habe auch ein Video zu meinem ersten Klartraum veröffentlicht. Wer also wissen will, was kleine grünäugige Monster mit meinem ersten Klartraum zu tun haben, der kann gerne mal reinschauen.

Was machen Menschen am liebsten im Klartraum?

Ach, das ist schwer zu sagen, jeder ist ja individuell. Aber rein nach Gefühl würde ich die Top 3 so aufstellen:

1. Sex
2. Fliegen
3. Erkunden

Oh man, das hätte man sich ja denken können. Gibt es in Klarträumen denn auch Situationen, die man nicht erleben kann?

Es gibt sicher Situationen, die schwer zu erreichen sind, beispielsweise eine konstante Welt aufzubauen, die jede Nacht immer gleich ist. Ich halte es für möglich, aber dennoch für verdammt schwer. So schwer, dass es nur wenige Klarträumer bewusst schaffen.

Kann man Klarträume auch sinnvoll nutzen?

Natürlich, man kann sich sich einen Lehrer herbeirufen, der einem das gelernte Wissen nochmal aufsagt. So lernt man zwar nichts neues, aber durch die Wiederholung festigt sich das Wissen. Auch spannend ist das Klarträumen für Sportler. Techniklastige Sportarten kann man nämlich im Klartraum trainieren. Man wiederholt im Traum die bereits gelernten Bewegungsabläufe, die dadurch in das Muskelgedächtnis übergehen und so schneller abgerufen werden können – deshalb wird man auch im Wachleben besser. Im Klarträumen kann man sich auch seinen Ängsten und Phobien stellen und diese so auch im Wachleben überwinden.

Luzides Träumen kann man also auch als Therapie einsetzen?

Ja, denn der Vorteil von Klarträumen ist, dass man ganz direkt nachfragen kann. Erkenntnisse zu Problemen und Fragen können so direkt erlangt werden. Man geht im Traum den aktiven, direkten Weg und nicht den passiven, indirekten Weg wie bei Therapien im Wachzustand.
Als Beispiel kann man die Albtraumtherapie nennen: Im Klartraum kann man direkt nach der Ursache des Albtraums fragen. So verwandelt sich das „Monster“ oder der „Verfolger“ dann in das wahre Problem. Wenn man das erkannt hat, kann man im Wachleben daran weiterarbeiten. Und, je nach Problem, können die Albträume verschwinden. Warum sollten sie auch wiederkehren? Sie haben ihre Botschaft vermittelt und haben daher keine Daseinsberechtigung mehr.

Hast du einen Tipp, um Klarträumen möglichst schnell zu lernen?

Natürlich, schau dir doch mal mein Buch „Oneironaut – das Klartraum-Praxishandbuch“ oder meine „School of Oneironautics“ an – da findest du viele praktische Tipps und Tricks, mit denen du Hürden im Vorfeld umschiffen kannst. Ansonsten ist „schnell“ natürlich ein gern gefragter Weg. Ich denke aber, das ist die falsche Einstellung. Man sollte sich auf etwas Arbeit einstellen. Ohne Arbeit keine Belohnung. Wichtig ist, dass man den Weg bewusst geht – und sich irgendwann über seinen ersten Klartraum freuen kann. Bis dahin sollte man unbedingt alle seine Träume aufschreiben. Und vor allem eines: Spaß haben!

Bildquelle: Brinks Alo über CC BY-ND 2.0

2 Comments

  1. Franziska 12. Dezember 2016 at 15:49

    Ich hatte schon so lange keinen Klartraum mehr und es ist auch echt schade den Träumen „ausgeliefert“ zu sein. Ich hatte mal in einem anderen Blog gelesen das Personen die sehr viel Videospiele spielen, eher zu Klarträumen neigen als solche die kaum bis gar nicht spielen.

    Ich werde mir das Buch mal kaufen, mich interessiert das Thema sehr und würde gerne wieder Klarträume erleben. Ich hoffe es wird klappen 😁

    PS: Schöner Blog 🙂

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  2. Pingback: Gastbeitrag: Klartraum-Technik "Wake back to bed" | diewillnurschlafen

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