Ich bin dann mal weg und halte Winterschlaf! Okay, wie cool wäre das bitte? Draußen ist es kalt, grau und matschig und deshalb verkrümeln wir uns einfach. Lassen die Welt einfach Welt sein und kommen erst wieder aus den Federn, wenn die Sonne scheint und die Blumen blühen. Tiere wie Igel, Braunbär, Fledermaus oder – the one and only – der Siebenschläfer machen es uns vor. Aber ist das überhaupt möglich? Können auch Menschen Winterschlaf halten?

Ein Siebenschläfer schläft 7 Monate
Mach‘ es wie der Siebenschläfer und verpenn‘ den Winter!

Menschen hielten mal Winterschlaf

Menschen können das nicht nur, sondern sie haben es sogar mal getan. Es gibt Aufzeichnungen die belegen, dass noch vor hundert Jahren ein sibirischer Volksstamm einen sechsmonatigen Schlaf hielt. Nach dem ersten Schnee sammelten sich die Mitglieder des Stammes am Feuer und pennten weg. Nur einmal am Tag wachten sie kurz auf, aßen ein Stück Brot, tranken einen Schluck Wasser und kuschelten sich wieder ein. So verschliefen sie kälteste, aller kalten Jahreszeiten in Sibirien.

Winterschlaf ist gar keine Erholung

Was auf den ersten Blick ganz gemütlich klingt, war aber schlicht und einfach überlebenswichtig. Denn Wasser und Nahrung waren knapp und es kostete extrem viel Energie, den Körper bei sibirischer Kälte warmzuhalten. Der Winterschlaf des Stammes war also die einzige Möglichkeit, um karge Zeiten zu überleben. Und bei Tieren ist es im Grunde dasselbe: Der Winterschlaf ist dazu da, um zu überleben.

Erstarren statt schlafen

Auch interessant ist, dass das Wort Winterschlaf auch eigentlich falsch ist. Tiere schlafen im Winter nämlich gar nicht, sondern sie erstarren. Deshalb sprechen viele Forscher statt von Winterschlaf oft von „Torpor“, was übersetzt „Erstarrung“ bedeutet. Während der Winterstarre sind die Gehirnströme der Tiere anders, als beim Schlaf. Mehr noch: Die Tiere sind nach dem Winterschlaf sogar müde und müssen sich erst einmal erholen.

Schlank, aber dumm

Kommen wir aber wieder zum Menschen: Was wäre wenn wir im Winter erstarren würden? Der erste Effekt wäre, dass wir abnehmen würden. Beim „Torpor“ wird der Stoffwechsel umgestellt und die Verbrennung von Kohlenhydraten auf Fett umgestellt. Dies würde die lästigen Pölsterchen an Bauch und Hüfte verschwinden lassen – eigentlich ganz geil.

Dumm nur, dass wir auch dümmer werden würden. Wenn unser Gehirn nicht arbeitet, und das würde es während der Winterstarre kaum tun, verschwinden langsam aber sicher synaptische Verbindungen. Das ist immer so: Verbindungen im Gehirn, die nicht mehr benötigt werden, werden abgerissen. Lernen wir hingegen etwas Neues, dann entstehen neue Wege und Bahnen. Diese Verbindungen sind unser Wissens-Netz, dank dem wir uns Fakten merken, kreativ sein und Probleme lösen können. Würden wir unser Hirn während des Winterschlafes über Monate nicht anstrengen, wüssten wir am Ende unseres Schlummer nicht mehr so viel wie davor. Schlank und rank, aber dafür dumm – ob das ein guter Deal ist?

Künstlicher Winterschlaf ist sinnvoll

Einfach so, ganz natürlich, werden wir Menschen also nicht anfangen Winterschlaf halten. Dafür ist unser Überlebenskampf im Winter – dank Heizung, Essen aus dem Supermarkt und warmer Winterkleidung – nicht dramatisch genug. Forscher sehen aber im künstlichen Winterschlaf viele Chancen: Man könnte zum Beispiel Astronauten über Monate durch das All schicken, ohne dass sie viel Nahrung brauchen. Oder man könnte einzelne Organe in einen künstlichen Schlaf versetzen – bis der richtige Empfänger für ein Spenderorgan gefunden ist. Auch die Möglichkeit Menschen so lange erstarren zu lassen, bis ein Heilmittel gegen ihre Erkrankung gefunden wurde, wird diskutiert.

Der künstliche Winterschlaf könnte also bald zu unserem Alltag gehören. Aber wir können eben leider nicht selbst beschließen, den Winter zu verpennen und müssen auch künftig Schnee schnippen, an den Fingern frieren, durch Matsch stiefeln und uns auf Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Bratwurst stärken – auch schön!

 

Bildquellen: Titelbild Sarah Diniz Outeiro on Unsplash; Beitragsbild: Sammydavisdog unter CC by 2.0

2 Comments

  1. Robin Epskamp 7. März 2018 at 12:49

    Wenn ich so daran denke: Ein 6-Monatiger Winterschlaf wie der Stamm in Sibirien könnte mir auch echt gut tun. Allein schon der Gedanke ist echt verlockend!

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  2. Elena 3. Mai 2018 at 14:36

    Hi Katharina,

    ein wirklich interessanter Beitrag 🙂
    Ich wusste gar nicht, dass es tatsächlich schon einen künstlichen Winterschlaf gibt. Was die Forscher sich nicht alles einfallen lassen.

    Viele Grüße,
    Elena

    Reply

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