An Weihnachten geht es, wie jedes Jahr, ab zu den Eltern. Vollpension, inklusive einer Übernachtung in meinem alten Kinderzimmer. Und dort wartet das Grauen: das Bett aus früheren Teenagertagen. Eine besinnliche Geschichte vom Fest der Liebe & einem Bett voll Hass.

Nur noch ein paar Tage und dann fährt jeder zu seinen Liebsten. Endlich ab nach Hause, wo es am schönsten ist. Denn nirgendwo anders auf dieser Welt ist alles so vertraut: All die Gerüche, die nach Heimat duften. All die Geräusche, die nach Zuhause klingen. All die elterlichen Standpauken, die die süße Teenagerzeit wieder aufleben lassen. Auch für mich heißt es bald „I’m driving home for christmas“ und ich freue mich schon sehr darauf.

Die Freude wäre sogar noch größer, wenn in meinem Elternhaus nicht ein unbezwingbarer Endgegner auf mich warten würde: das Bett aus meinen Teenagertagen. Auf den ersten Blick sieht es ganz harmlos aus – kein Wunder, denn das Bett steht in einem puderrosafarbenen Raum.

Mit 13 Jahren bin ich auf die geniale Idee gekommen, mein, nur 2 Wochen davor frisch blau gestrichenes, Zimmer wieder umzugestalten. Und aus Blau wurde Rosa. Da mein pubertierendes Hohlkopf-Ich nach weiteren 2 Wochen wieder streichen wollte, sprachen meine Eltern ein Machtwort. Ein sehr sehr wirkungsvolles wohl, denn bis heute ist mein altes Kinderzimmer ein Traum in Babyrosa geblieben.

Und in genau diesem Raum steht es nun: 90 x 200 Zentimeter Kindheit. Im Vergleich zu dem Bett, das ich jetzt besitze, kommt es mir lächerlich winzig vor. Wie ich mich darin, teilweise zu zweit, hineinzwängen konnte, ist mir inzwischen unbegreiflich. Das weiße Bettgestell hat schon einige Dellen im Lack – ob vom überschwänglichen Lego spielen oder von impulsiven Teenager-Wutausbrüchen, bleibt ein Geheimnis. Die Matratze ist so weich, dass man Gefahr läuft, komplett verschluckt zu werden. Und der Bettbezug ist immer noch genau der selbe, wie damals als ich die Masern hatte.

Ansonsten hat sich der Raum, der einst mein Kinderzimmer war, stark verändert. Wo früher die Backstreet-Boys von den Wänden grinsten, lacht heute gar nichts mehr. Denn außer dem Bett steht dort nicht mehr viel. Ein alter Schrank mit Schulheften, ein Wäscheständer und ein alter Röhrenfernseher. Der funktioniert zwar nicht, aber vielleicht braucht man ihn irgendwann doch noch einmal. (Für was auch immer).

Und hier – zwischen rosa Tapete und kaputtem TV – liege ich jedes Weihnachten wieder: in meinem alten Kinderzimmer, in meinem alten Teenie-Bett.

Es ist ein seltsames Gefühl. Denn auch wenn hier mein zu Hause ist, ist es nicht mehr mein Bett. Die Matratze, die dicke Liebeskummertränen aufsaugen musste und vor jeder Latein-Schulaufgabe mit Angstschweiß getränkt wurde, passt mir nicht mehr. Zu klein, zu eng, vielleicht haben wir uns auch einfach auseinandergelebt.

Dieses Gefühl überkommt mich Jahr für Jahr. Und es macht mich traurig und froh zugleich. Denn dieses Gefühl führt mir vor Augen, dass ich anscheinend irgendwo zwischen Abitur, Studium und erstem Job erwachsen geworden bin. Oder sagen wir zumindest so groß, dass mir mein Bett der Kindheit zu klein geworden ist.

Aber noch etwas geschieht jedes Jahr: Nennt es Weihnachtswunder oder pure Einbildung, aber nach der ersten gemeinsamen Nacht werden mein Teenie-Bett und ich langsam wieder warm miteinander. Die Enge zwingt mich, mich zu besinnen, runterzufahren, nachzudenken. Keine Hektik, keine Aufgaben, sondern nur das kleine Bett, im kleinen Raum, im kleinen Ort – das hat etwas Beruhigendes.

Frohe Weihnachten und ein paar ruhe Tage wünscht diewillnurschlafen.

Bildquelle: Pexels über CC0

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