„Sleep“ heißt das erste Solo-Album von Andreas Specht, dem Sänger der Band Ja, Panik. Aber wie hört sich schlafen an? Eine Rezension seines Konzerts.

Die letzten Gäste betreten die Kammer 2. Ruhig schlendern sie zu ihren Sitzplätzen in den Münchner Kammerspielen. Einige haben ein Bier in der Hand. Entspannt. Von ihren Plätzen aus bietet sich ein karges Bühnenbild: goldenes Saxophon, Bass, zwei E-Gitarren, Drum Pad und ein Laptop. Im Hintergrund eine große Leinwand. In Dauerschleife rotiert das Bild einer Dream Machine. Einem Zylinder mit Schlitzen der, richtig beleuchtet, mit Stroboskopeffekt das Gehirn beeinflussen kann.

Die Menschen unterhalten sich ganz ruhig, alle sitzen. Ungewöhnlich für ein Konzert. Vor allem wenn man die Auftritte der Indie-Rock Band Ja, Panik kennt. Der Sänger dieser Band, Andreas Spechtl, präsentiert an diesem Abend sein erstes Soloprojekt. Das Album „Sleep“ entstand indem er durch die ganze Welt reiste und an den verschiedensten Orten Soundschnipsel aufnahm, diese mit Gitarre und Gesang kombinierte und die entstandene Musik nachträumte. Im Traum wurde die Musik wiedererlebt, neu zusammengesetzt, verzerrt. „Sleep“ hat in München Konzertpremiere. Die Künstler Andreas Spechtl, Rabea Erradi und Chris Imler betreten die Bühne. Hoffentlich schlafen wir nicht ein.

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Das erste Lied erklingt. Wabernde Töne durchdringen den Raum. Steigern sich langsam. Die Lieder sind brüchig, fragil. Wie ein Traum, aus dem man jeden Moment erwachen könnte. Verzerrte Stimmen und fremde Töne fügen sich mit den Klängen des Saxophons zusammen, das die talentierte Musikerin Rabea Erradi spielt. Ein lauter Klangteppich entsteht. Schlafen wird sicher niemand im Raum. Langsam steigert sich die Musik und spätestens als Chris Imler mit vollem Enthusiasmus auf sein Drumpad schlägt, wird die Durchschlagskraft von Schlaf deutlich.

Der schönste Moment des Konzerts ist nach dem Konzert. Andreas Spechtl ist sichtbar erleichtert, dass die Konzertpremiere gut verlief. Und als die letzten Töne ausklingen strahlt er seine Kollegen an. Der Ton eines Weckers erklingt und alle Besucher erwachen aus ihrer Trance. Für einen kurzen Moment war man in einer Traumwelt gefangen, jetzt ist es Zeit aufzustehen. Das Album „Sleep“ vertont gelungen eine Traumwelt: neu, aufregend, anders. Das experimentelle Musikprojekt funktioniert vor allem als Ganzes, es ist keine lose Zusammenstellung von Liedern. Dösen lässt sich zu dieser Musik ausgezeichnet, wer aber einschläft verpasst etwas.

Weitere Konzerttermine:  29.01. Berlin Berghain,  12.02. Wien Rhiz

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Andreas Spechtl mit dem Album Sleep, Bilder © Label Staatsakt

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